"Später bezahlen" - versteckte Einladung zur Verschuldung

Mehr Transparenz bei Zahlungsmöglichkeiten im Internet fordern Schuldnerberater während ihrer bundesweiten Aktionswoche vom 10. bis 14. Juni 2024.

„Jetzt kaufen – später bezahlen: Durch dieses bequeme Angebot eines vermeintlichen Zahlungsaufschubs verlieren Konsumenten schnell den Überblick über ihre Ausgaben und geraten ungewollt in Schulden“, sagt Dirk Beyer. Der Schuldnerberater vom Diakonischen Werk Rochlitz fordert finanzielle Allgemeinbildung von klein auf und mehr Transparenz bei Finanzierungs- und Zahlungsmöglichkeiten, insbesondere bei Onlinekäufen im Internet.

„In dieser Zeit der schnellen Online-Käufe, in unserer auf Konsum ausgerichteten Welt ist der sichere und souveräne Umgang mit Geld, Handy und Internet eine Grundvoraussetzung“, so der Schuldnerberater anlässlich der bundesweiten Aktionswoche der Schuldnerberatung, die vom 10. bis 14. Juni 2024 stattfindet. Mit dem diesjährigen Motto der Aktionswoche „Buy now – Inkasso später“ sind die gängigen Bezahlsysteme im Onlinehandel besonders im Visier. Dirk Beyer: „Viel zu viele, auch junge Menschen unterschätzen die Risiken, die mit dem Einkauf im Internet verbunden sind.“

Mit den vielen verschiedenen Finanzierungs- und Zahlungsmöglichkeiten der Anbieter verschwimme für die Käufer die Grenze zwischen Rechnungskauf und Finanzierung. Dass die Zahlungen für online gekaufte Dinge über Zahlungsdienstleister abgewickelt werden, ist inzwischen weitestgehend die Regel. „Anfangs verlockend und erleichternd für die Käufer, entwickelt sich der erste zinsfreie Zahlungsaufschub schnell zur Kostenfalle. Denn sobald der aufgeschobene erste Zahlungstermin versäumt wird, bieten die Zahlungsdienstleister nur noch kostenpflichtige Ratenzahlungen an“, erläutert Beyer. Wünschenswert und hilfreich wäre hier eine klare gesetzliche Regelung zum Verbraucherschutz beispielsweise über Mindestkaufbeträge, ab deren Höhe erst eine Finanzierung erlaubt ist. Dirk Beyer ist sicher, dass auf diese Weise viele Menschen vor vermeidbaren Schulden bewahrt werden können.

Wenn Menschen in Schulden geraten sind, sollten sie frühzeitig Hilfe bei einer Schuldnerberatungsstelle suchen. Die kostenfreie und anonyme Beratung verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz und unterstützt Überschuldete bei ihrer wirtschaftlichen und psychosozialen Stabilisierung. Die Mitarbeiter helfen bei der Aufstellung eines Haushaltsplans, bei der Schuldenregulierung und gegebenenfalls bei der Einleitung eines Insolvenzverfahrens.

Zahlen und Fakten zur Schuldnerberatung in Rochlitz und Burgstädt

2023 wurden 230 überschuldete Haushalte bei der Diakonie in den Beratungsstellen Rochlitz oder Burgstädt beraten sowie über 300 Menschen im Rahmen von Kurzberatungen unterstützt. Jeder zehnte Klient war unter 25 Jahre alt.

Kontakt:

Haus der Diakonie, Dirk Beyer, Bismarckstraße 39, 09306 Rochlitz, Tel. 03737 / 4931-20 
Diakonie-Beratungszentrum, Janet Viehweger, Kirchplatz 2, 09217 Burgstädt, Tel. 03724 / 666939-8